Die katholische Tradition glorifiziert Bonifatius als besonderen Heiligen, Apostel und Märtyrer. In dem Begriff "Apostel der Deutschen" steckt die ganze konfessionelle Polemik des 19. Jahrhunderts, in der Bonifatius als eine Gegenfigur zu Martin Luther aufgebaut wurde
Dabei darf nicht übersehen werden: Bonifatius hat genau genommen viele theologische Positionen des Protestantismus vorgelebt! Vieles, was Martin Luther 750 Jahre später mit der Reformation verfolgt hat, findet sich schon bei Bonifatius. Bonfatius hatte dieser auf Reisen eine Reisebibliothek mit einer 20bändigen Bibel bei sich, in der er intensiv las. Das war für Geistliche seiner Zeit absolut nicht selbstverständlich. Die Bibel war seine Leitlinie, die er bei Gottesdiensten für einfache Leute auch in die jeweilige Volkssprache übersetzen konnte. Wie Luther hat schon Bonifatius scharfe Kritik an ungeistlichen Fürstbischöfen und am Amtsmissbrauch geübt; beide strebten innerkirchliche Reformen an, die die Kirche zurück zum Maßstab der Bibel führen sollte. Beide Männer waren Mönche, die aufgrund ihrer umfassenden Allgemeinbildung hätten Kirchenlehrer werden können. Statt dessen zogen sie es vor, die Welt zu verändern.